Das Bardolino

Das Bardolino

Anders als man generell annehmen könnte, ist das Bardolino eine Region, in der hochelegante und tiefgründige Weine entstehen können. 

Die natürlichen Voraussetzungen sind grundsätzlich optimal. Die Moränenböden der Region erlauben generell eine gute Drainage und Durchwurzelung und sind darüber hinaus erstaunlich heterogen – zuweilen sind sie von Sand durchsetzt, andere Male von Kies, Kalk oder Ton. 

Klimatisch gibt naturgemäß der Gardasee den Ton an. Dieser wirkt als enormer thermischer Puffer und sorgt dafür, dass im Winter die Temperaturen relativ mild bleiben, während es im Sommer zwar warm aber selten extrem heiß wird. Im Norden der Region prägt zudem der Monte Baldo die klimatischen und geologischen Bedingungen – im Allgemeinen ist es dort nochmals einen Tick kühler und die Böden sind steiniger als im Rest der Region.


The Human Factor


Dass es um richtig gute Weine aus dem Bardolino dennoch oft schlecht bestellt steht, liegt am menschlichen Faktor. Da sind zum einen die Touristen, die vor lauter Glück am See zu sein, so gut wie alles trinken, was man ihnen vorsetzt und zum anderen die Gastronomen und Winzer, die diesen Umstand kennen und weitlich ausnutzen. Wobei das früher ganz sicher schlimmer war als heute. Von den 1960er bis in die 1980er-Jahre wurde produziert, was das Zeug hielt. 10.000 Kilo und mehr an Trauben entstanden so pro Hektar. An bio dachte kein Mensch. Auch wenn uns die persönliche Erfahrung fehlt: tatsächlich gut war davon vermutlich wenig. Ab den 1990er-Jahren versuchte man den Stil zu ändern und opulente, mächtige, im Holz ausgebaute Weine in die Flasche zu kriegen. Doch erstens machen solche Weine grundsätzlich selten Spaß und zweitens ist das Terroir im Bardolino dafür nicht wirklich geeignet.

Immerhin unterließ man es, die Gegend rund um den See mit Merlot und Cabernet Sauvignon vollzupflanzen, sodass man heute zumindest über ausreichend gutes Rebmaterial verfügt. Das besteht größtenteils – wie im benachbarten Valpolicella – aus Corvina, hinzu kommen Rondinella und Molinara. 


Allein auf weiter Flur


Welche Potenzial in ihnen und im Bardolino generell steckt, beweist vor allem die biodynamisch werkende Villa Calicantus. Obwohl sie aus guten Gründen nicht mehr im Konsortium der Region vertreten ist, steht sie exemplarisch dafür, wie Bardolino sein sollte.

Schon der Einstieg macht mehr als nur Spaß. Der Soracuna stammt von 50-Jahre alten, in Pergola erzogenen Reben, wird in Zementbottichen ausgebaut und offeriert Vielschichtigkeit und Finesse. Ganz großartig ist der Chiar’otto, eine Abwandlung des Namen Chiar’etto und folglich ein Rosato, ein Weinstil für den das Bardolino – normalerweise völlig zu Unrecht – eine gewisse Reputation genießt. Auch hier setzt Calicantus Maßstäbe.

Mit dem Lassuperiora und vor allem dem Avresir lotet das Weingut letztlich aus, was möglich wäre, würde man das eigentlich optimale Terroir so interpretieren, wie es sich das verdienen würde.   

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