Friaul & Slowenien – Im Grenzland

Friaul & Slowenien – Im Grenzland

Menschen, die im letzten Jahrhundert im italienisch-slowenischen Grenzland aufgewachsen sind, haben in der lange heiß umkämpften Region in politischer Hinsicht einiges mitgemacht. Ein im slowenischen Plesivo, 100 Meter von der friulanischen Grenze entfernt lebender Winzer erzählte uns vor einiger Zeit, dass sein Großvater in die österreichisch-ungarische Monarchie hineingeboren wurde, seine ersten Weingärten jedoch als italienischer Staatsangehöriger anpflanzte. Er übergab sie an seinen Sohn, der sie in seinem jugoslawisches Weingut weiter pflegte, welches dann ab 1991 slowenische Weine zu produzieren begann. Wer unter solchen historischen Vorzeichen eine nationale Identitätssuche betreiben möchte, dem sei viel Geduld ans Herz gelegt. 

In kultureller Hinsicht gestaltet sich die Sache einfacher. Beispielsweise sprechen alle uns bekannten slowenischen Collio- und Karstwinzer Italienisch. Umgekehrt ist das zwar nicht immer, aber oft genug, der Fall. Es herrscht auch – vor allem seit die Grenze mit dem EU-Beitritt Sloweniens wieder zu einem Strich auf der Landkarte degradiert wurde – wieder reger Austausch zwischen den Winzern auf beiden Seiten der Grenze. Man baut auf den gleichen Traditionen auf, hat dieselben Rebsorten, Böden und klimatischen Voraussetzungen und bisweilen kommt es auch vor, dass man sich in grenzübergreifende Gruppen zusammenschließt und gemeinsame Verkostungen organisiert. 

Kurz: Man teilt eine ganze Menge und unterscheidet sich durch Kleinigkeiten. Was uns wiederum dazu animiert, in die Besprechung des Friauls auch die Weine von Aleks Klinec aus Medana in der Goriska Brda und von der Familie Čotar aus Gorjansko im slowenischen Karst miteinzubeziehen. 

Nach dem Versuch die komplexen Verhältnisse in wenigen Sätzen auf den Punkt zu bringen ein paar einfachere aber speziell für den Weinbau profunde Feststellungen.

  • Das friulanisch-slowenische Grenzland ist zwar nicht die Wiege maischevergorener Weine aus weißen Trauben, aber es setzt seit geraumer Zeit deren qualitativen Maßstäbe.
  • Der Karst und der Collio haben in Proportion zu ihrer Rebfläche mit die höchste Dichte an exzellenten Naturweinwinzern weltweit.

Grob gesprochen kann man das Grenzland in drei kleine, im qualitativen Sinne große Regionen einteilen: Karst, Collio/Goriska Brda und Collio Orientale.

Triest, dem unumschränkte Zentrum der Region am nächsten liegt der Karst, einzigartig in gleich mehrfacher Hinsicht. Seine Kalkfelsen und Höhlen, seine unterirdischen Flüsse und kleinen Schluchten machen ihn im Verbund mit seiner kargen Vegetation zu einem ästhetischen Naturmanifest. Windgepeitscht von der Bora, die immer wieder über das Land fegt, wird Weinbau zu einem Spiel gegen Naturgewalten. Die Erde nimmt der Wind mit, sodass die Stöcke nicht selten direkt im nackten Fels wurzeln. Den extremen Bedingungen zum Trotz wurde Wein hier schon zu Zeiten der Römer angebaut. Und auch später immer wieder. Untrügliches Zeichen dafür, dass man – sofern man das Spiel gegen Wind und Wetter gewinnt – mit besten Weinen belohnt wird. Verantwortlich dafür sind neben dem eigenwilligen Terroir ein knappes Dutzend exzellenter Winzer und drei Rebsorten: Malvasia Istriana und Vitovska in Weiß (und noch viel spannender maischevergoren in Orange) und Teran in Rot. Die besten Interpretation der beiden weißen Rebsorten gehören – sofern man ihnen ein wenig Kontakt mit den Schalen erlaubt – zu den spannendsten Weinen Italiens.

Der Collio schließt im Norden unmittelbar an den Karst an und ist doch in vielfacher Hinsicht anders. Das Meer ist weiter weg und auch die Böden und Rebsorten sind andere. Hier wurzeln in Ponka, einer Mischung aus Mergel, Ton und Sand (der allerdings je nach pH-Wert, Eisenanteil usw. wiederum große Unterschiede aufweist) an autochthonen Sorten vor allem Malvasia, Ribolla Gialla und Friulano – dazu kommen ein paar eingebürgerte Sorten, wobei vor allem Pinot Grigio zeigt, was in ihm steckt, wenn man ihn richtig vinifiziert. 

Die besten Weißweine sind hier ebenfalls über einige Zeit mit der Maische in Kontakt und demonstrieren dabei, dass der aromatischen Belanglosigkeit, die beispielsweise sofort gepresstem Friulano oft innewohnt, durch entsprechende Vinifikation beeindruckend entgegengewirkt werden kann. Beispielhaft dafür stehen die Weine von Nikolas Juretic.

Die Rotweine des Collio basieren fast durchwegs auf Merlot und Cabernet und liefern in ihren besten Interpretationen beeindruckende Ergebnisse ab.

Im Collio Orientale merkt man immer weniger vom Meer, auch wenn man es von hochgelegenen Weingärten noch immer sehen kann. Der Collio Orientale punktet weniger mit außerordentlichen Böden (viel Mergel und ein wenig Sand) und wilden Wetterkapriolen als vielmehr mit einer nochmals größer werdenden Palette an autochthonen Sorten. Neben Verduzzo giallo und Picolit sind es vor allem die vier roten Sorten Schioppettino, Tazzelenghe, Refosco und Pignolo, die den Collio Orientale zu einem Kontrapunkt und gleichzeitig zu einer extrem vielseitigen und spannenden Ergänzung zu den beiden anderen Zonen werden lässt.

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