Umbrien – Eine kurze Einführung

Umbrien – Eine kurze Einführung

Umbrien ist ein gesegnetes Land und nicht erst seit Assisi zu einem Epizentrum globaler Pilgerkultur wurde. Das Landschaftsbild der angrenzenden Toskana wird erstmal eins zu eins übernommen, ehe es in Richtung Süden und Osten wilder und gebirgiger wird. Alle paar Kilometer stößt man auf steinalte Dörfer, die (sofern man die Einzugsgebiete von Assisi und Spoleto hinter sich gelassen hat) selten überlaufen sind und in deren fotogenen Stadtbildern sich auch immer eine Trattoria findet, in der man für wenig Geld exzellent isst. Zwei Dinge sucht man in Umbrien allerdings vergebens. Das Meer und mehr als ein halbes Dutzend Winzer mit richtig guten Weinen. An ersterem wird sich wohl in absehbarer Zeit nichts ändern, im zweiten Fall besteht zumindest Hoffnung.

Fehlentwicklungen

Umbrien ist ein altes Weinbaugebiet und es ist anzunehmen, dass vor ein paar hundert Jahren und auch noch vor ein paar Jahrzehnten die Weine generell interessanter waren als sie das heute sind. In den letzten drei Jahrzehnten kamen jedoch einige Faktoren zusammen, die den Weinen Originalität und Charakter nahmen. Zum einen entdeckte die toskanische Winzeraristokratie die Region und identifizierte sie im Verbund mit ein paar einflussreichen Journalisten als das Burgund Italiens. Man pflanzte Chardonnay und auch ein wenig Pinot Noir, steckte die Weine in neue Barriques und trat damit wenigstens auch gleich selbst den Beweis an, dass man eben doch tausend Kilometer vom Burgund entfernt war.

Noch schlimmer, weil kaum reversibel, wirkte sich die landwirtschaftliche Industrialisierung von Orvieto, Umbriens bekanntester Weinbauregion aus. Riesige Mengen belangloser Weine sind dort in den letzten Jahrzehnten für die Supermärkte dieser Welt produziert worden. Der einzige Grund, warum man also dorthin aufbrechen sollte, ist der, den fantastischen Dom der gleichnamigen Stadt zu besichtigen.

Eine letzte Tatsache, die bis vor kurzem dafür sprach, um umbrische Weine einen weiten Bogen zu schlagen, war die exzessive Aufkonzentrierung der hochklassigen Rebsorte Sagrantino. Ohnehin mit ausreichend Tanninen und Alkohol ausgestattet, jagte man die Weine zusätzlich durch alles, was modernste Technologien hergaben, las so spät wie möglich, reizte die Maischestandzeiten aus und steckte die Weine in neue Holzfässer. Und so mutierten die ohnehin schon opulenten Brocken ins testosterongeschwängerte Superschwergewicht und streckten selbst geeichte Trankler schon nach der ersten Flasche nieder.  Der vitikulturellen Identität der Region taten all drei Entwicklungen nicht sonderlich gut.

Sagrantino

Die Zeiten haben sich in den letzten Jahren ein wenig geändert. Orvieto liegt qualitativ noch immer völlig brach (uns fällt zur Zeit kein einziger Winzer ein, dessen Weine wir gerne trinken würde), in Montefalco, der Bastion des Sagrantino, sieht die Sache allerdings schon besser an. Verantwortlich dafür ist eine Handvoll Winzer*innen, die an den sanft abfallenden Hängen der kleinen Region, Reben biologisch kultiviert, an den übertechnologisierten Manifestationen ihren Kollegen wenig Interesse hat und auf traditionellere, für die Rebsorte wesentlich kompatiblere An- und Ausbaumethoden (spontane Vergärung, nicht zu lange Maischestandzeiten, lange Reifung in gebrauchten Holzfässern) setzt. 

Uns am besten gefallen die Sagrantinos von Francesco Mariani von Raína, denen es zwar gleichfalls nicht an Kraft und Intensität mangelt, der sie aber mit Präzision und klarem Trinkfluss in ein wunderbares Gleichgewicht bringt.  

Sangiovese & Trebbiano spoletino

Wem die reinsortige Version von Sagrantino dennoch zu mächtig daherkommt, hat zudem die Möglichkeit, die vermeintlich einfacheren (und wesentlich günstigeren) Sagrantino-Versionen, die grundsätzlich mit Sangiovese cuvetiert werden und unter dem Namen Montefalco Rosso über den Ladentisch gehen, zu probieren.

Sangiovese ist dann auch die zweite, wirklich wichtige rote Sorte Umbriens, die speziell im Norden, in der Nähe von Perugia, von einigen – oft jungen – Winzern zu strukturierten, lebendigen und früh zugänglichen Weinen gekeltert wird. Da ohnehin keine Reputation zu verteidigen war, setzte man auf Experimente und so hat Umbrien in den letzten Jahren eine Handvoll Winzer hervorgebracht, die mit individuellen und spannenderen Weinen jenseits des Mainstreams punkten.

Jenseits von Sagrantino und Sangiovese bietet Umbrien und im Besonderen Montefalco auch eine hochspannende Trebbiano-Spielart, den Trebbiano Spoletino, der in Francesco Marianis Händen in einen Wein verwandelt wird, eine Bandbreite an Frucht- und Kräuteraromen mit Körper und Eleganz vereint und zudem bestens reift.

Weine aus der Region

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